Deep Purple / Abandon 1998 / Die Geschichte um einen schwachen Tonträger.
Sep. 8, 2026 CD-Rezension, Hinter den Kulissen
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a.staeuble

Einleitung:
Abandon (1998) von Deep Purple ist für viele Anhänger und Kritker der Band ihr schwächstes Album – gerade wenn man es gegen die starken Alben der Mk-II-Ära oder auch gegen Purpendicular hält. Wenn man es deftig ausdrücken möchte, ist das Album ein „Griff in den Klo“…! Der Tonträger bietet sehr wenig harmonische Elemente. Der Sound ist gespickt mit zähem Spielfluss, wo feine Melodien gesucht werden müssen. Nicht einmal ein Jon Lord schafft es durch sein Keyboard Spiel Harmonien einfliessen zu lassen.
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Die Geschichte
Abandon erschien 1998 und war nach Purpendicular (1996) das zweite Studioalbum der damaligen Deep-Purple-Besetzung mit Ian Gillan, Ian Paice, Roger Glover, Jon Lord und Steve Morse. Der wichtigste Punkt: Abandon entstand nicht als großes musikalisches Statement, sondern eher als Fortsetzung dessen, was mit Purpendicular eigentlich vielversprechend begonnen hatte. Purpendicular war durch Steve Morses Einstieg überraschend frisch geworden. Auf Abandon wollte die Band diesen neuen Weg weitergehen, allerdings mit deutlich härterem und direkterem Material aber ohne tragenden Melodien!
Warum klingt es so anders?
Die Band war zu dieser Zeit wieder stark als Liveband unterwegs. Das beeinflusste das Songwriting: Viele Stücke sind rifforientiert und funktionierten ordentlich auf der Bühne, wirken auf Platte aber teilweise etwas unfertig oder uninspiriert. Man kann getrost das Wort sperrig oder unausgegoren in den Mund nehmen. Hinzu kam, dass Deep Purple Ende der 90er eben nicht mehr die junge, hungrige Band von Machine Head war. Die Musiker waren Musiker im mittleren Alter – mit sehr unterschiedlichen Vorstellungen davon, wie zeitgemäßer Hard Rock Ende der 90er klingen sollte. Besonders interessant ist Jon Lord: Seine Hammond-Orgel blieb natürlich ein Markenzeichen, aber Steve Morse hatte mittlerweile einen viel größeren Einfluss auf den Bandsound. Dadurch verschob sich das Gleichgewicht innerhalb der Gruppe. Da der Tastenspieler ein Teamplayer war, fügte er sich den Gegebenheiten und ordnete sich neu ein.
Der Titel „Abandon“
Der Titel ist übrigens ein kleines Wortspiel. Er bezieht sich auf die Idee von „abandoning“, also etwas hinter sich zu lassen bzw. aufzugeben. Gleichzeitig klingt „Abandon“ natürlich auch nach „a band on“ – passend zu einer Band, die trotz aller Jahre immer noch weitermachte. Und ja, man muss es dem neuen Gitarristen zu Gute halten, ohne ihn hätte sich vermutlich Deep Purple in den 90er endgültig aufgelöst!
Internationale Kritik Betreff Abandon
Das Album wurde von der Kritik eher gemischt aufgenommen. Kommerziell war es kein großes Ereignis. Trotzdem ging Deep Purple danach weiter auf Tour und blieb eine enorm starke Liveband. Wenn sie eines schon immer konnten, ja dann Live zu überzeugen. Nun ja, da dienten die alten superben Songs immer noch das zahlende Publikum zu begeistern. Die neuen Songs waren da „Beigemüse“ als Dekoration für die Filetstücke gedacht! Und genau darin liegt das Interessante an Abandon: Es dokumentiert eine Übergangsphase. Die klassische Deep-Purple-Identität war noch vorhanden, aber die Band hatte ihren endgültigen Platz in der Rockwelt der 90er noch nicht ganz gefunden. Ihren Status als eine der besten Hard Rock Band zu sein, konnte nicht mehr uneingeschränkt bejaht werden.
Wenn man die Entwicklung betrachtet, ist Abandon deshalb fast ein „Zwischenalbum“: Purpendicular (1996) → Abandon (1998) → Bananas (2003) Und zwischen Purpendicular dem ersten Album mit Steve Morse und Abandon dem zweiten liegen musikalisch Welten, obwohl es praktisch dieselbe Besetzung ist.
Was bei Abandon stört:
- Viele Songs wirken zäh und kommen nicht richtig auf den Punkt.
- Gillans Stimme klingt teilweise ziemlich angestrengt.
- Die Produktion hat diesen etwas matschigen, spät-90er-Hardrock-Sound.
- Es gibt zwar ansprechende Momente – etwa „Any Fule Kno That“ oder „Watching the Sky“ –, aber wenig, was wirklich hängen bleibt.
- Und vor allem fehlt mir dieses gewisse spielerische Feuer, das Purpendicular noch hatte.
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Streng genommen, hatte Steve Morses ab ca.1996 das Zepter an sich gerissen. Nicht im Sinne, dass er durch seine dominante Persönlichkeit einen neuen Weg vorzeichnete, nein der Gitarrist gilt eher als sanft und kameradschaftlich. Sein eingeleiteter Kurswechsel war basierend auf sein gitarrentechnisch komplexer Stil. Er bevorzugt bis heute eher das vertrackte und kopflastige Spiel. Sein Vorgänger Ritchie Blackmore stand zu Deep Purple Zeiten für innovative und mystische Gitarrenklänge. So veränderte sich der Sound der Band immer mehr. Vieles wirkte mit Steve Morse nicht mehr so flüssig und leichtfüssig. Einzug gehalten hatte nun eine gewisse Vertracktheit, die die Songs bestenfalls zwar interessant machten aber ihnen auch ihre Zugänglichkeit erschwerten. Wenn man es „spitz“ formulieren will, ist es nicht abwegig zu sagen, dass sich die Band der Gruppe Rush annäherte! Das mag zwar für viele Musik Fans als Kompliment klingen, bei genaueren Betrachtung ist es aber für DP eine Abkehr ihrer Identität!
Fazit:
Ja, Abandon war der Tiefpunkt im Backkatalog der Tonträger mit Beteiligung von Steve Morse. Da sollte es keine zwei Meinungen geben. Obwohl der Gitarrist unbestritten ein technisch hervorragender Könner ist, passte er für mein Empfinden musikalisch nicht zur Band. Dafür aber menschlich und als integrierender Teil zu seinen Kollegen, die sich von der Regentschaft von Ritchchie Blackmore langsam erholen mussten. Was lehrt uns das: Man kann nie alles haben!
Album: Abandon

Hard Rock, Unterstützung ChatGBT
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