Atlanta Rhythm Section / Die Geschichte einer unterschätzten Band aus Doraville Georgia
Okt. 3, 2026 Hinter den Kulissen, Künstler-Portrait
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a.staeuble

Einleitung:
Warum die Band Atlanta Rhythm Section so unterschätzt wurde,ist eine spannende Frage und kann nicht nur mit fehlendem Glück beantwortet werden. Natürlich verdienten sie in ihrer besten Phase in den Staaten richtig Geld – 2 Hits! Nur von dem Legendenstatus von Lynyrd Skynyrd oder den Allman Brothers waren sie so weit weg, wie der Eiffelturm von Alaska. Ihnen gelang es vorzüglich den typischen Southern Rock Sound mit geschmeidigen Passagen in ihre Songs einfliessen zu lassen. Das war ein wesentlicher Unterschied zu den anderen Southern Rock Bands zu dieser Zeit. Blackfoot und Molly Hatchet waren bisweilen in ihrer Ausrichtung rauer und nahe am Hard Rock abgesiedelt. Lynyrd Skynyrd und die Outlaws verkörperten den typischen Southern Stil. Die Allman Brothers Band war die universellste von allen. Nicht wenige Songs waren mit Jam Charakter ausgestattet, was sie zu den Avantgardisten des Southern Rock machte. So konnte man viele Southern Rock Bands an ihren Merkmalen zuordnen. Bei Atlanta Rhythm Section war das durch ihre breitere Vielfalt an Stilen schwieriger.
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1. Sie waren zu elegant für den Southern-Rock-Stempel
Bei Lynyrd Skynyrd, Blackfoot, Outlaws oder Molly Hatchet hörte man sofort: Southern Rock – Gitarren, Härte, Blues, Country. ARS waren wesentlich subtiler. Ihre Musik hatte Southern-Rock-Wurzeln, aber ebenso Soul, R&B, Pop, Funk und Westcoast-Einflüsse. Dadurch waren sie schwerer in eine Schublade zu stecken. Und genau das kann kommerziell ein Nachteil sein: Sie waren weder eindeutig Hard Rock, Southern Rock noch Country oder AOR/Pop.
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2. Ihre größte Stärke war ihr Zusammenspiel
ARS waren eine dieser Bands, bei denen einzelne Musiker gar nicht unbedingt im Vordergrund stehen mussten. Barry Bailey an der Gitarre war beispielsweise ein fantastischer, aber erstaunlich wenig gefeierter Gitarrist. Er spielte häufig geschmackvoller als spektakulär. Und Sänger Ronnie Hammond hatte diese unglaublich geschmeidige, leicht soulige Stimme. Das Ergebnis war oft eine fantastische Gesangsleistung, die Balladen-Songs zusätzlich aufwertete. Im Gesamtpaket punktete die Band genau durch ihre Vielfalt. Man konnte hart aber auch eben zart!
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3. „So in to You“ hat sie gleichzeitig berühmt und unterschätzt gemacht
Das ist vielleicht der größte Widerspruch ihrer Karriere.„So in to You“ wurde 1977 ein riesiger Hit. Damit wurden ARS aber für viele Hörer zur Soft-Rock-/Pop-Band.Dabei waren sie viel mehr. Wer nur So in to You kennt und danach etwa „Doraville“, „Back Up Against the Wall“, „Imaginary Lover“,„Champagne Jam“ oder „Large Time“ hört, entdeckt praktisch eine andere Band. Man dachte he, die können auch richtig rocken. Und dann kommt das eigentliche Problem: die Konkurrenz. ARS kamen aus einer musikalisch ganz starken Gegend. Atlanta und das Umfeld👉bis nach Florida hatte in dieser Zeit unter anderem:
- The Allman Brothers Band
- Lynyrd Skynyrd
- The Marshall Tucker Band
- 38 Special
- The Outlaws
- Blackfoot
- Charlie Daniels Band
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Die öffentliche Erzählung über Southern Rock wurde vor allem von Lynyrd Skynyrd und den Allman Brothers geprägt. ARS passten nicht so schön in diese Geschichte . Was ich bei ihnen besonders bemerkenswert finde, ARS hatten etwas, das vielen Southern-Rock-Bands fehlt: Groove! Nicht nur „Gitarren spielen und Southern-Rock sein“, sondern richtiges rhythmisches Fundament. Hör dir beispielsweise „Spooky“ an. Das ist eigentlich eine fantastische Demonstration dafür, was ARS konnten: laid-back, funky, bluesig, unglaublich präzise und trotzdem vollkommen entspannt. Und „Doraville“ ist fast schon eine musikalische Visitenkarte. Dann gibt es noch „Imaginary Lover“ – wieder ein Hit, aber musikalisch deutlich raffinierter, als sein Pop-Label vermuten lässt. Es ist ein geschmeidiger Song mit viel Gefühl, der nie kitschig wirkt. Wenn man sich ihre offizielle Live LP anhört (unten abgebildet), ja dann hört und versteht man, was hier mit Worten versucht wird die Band zu erklären…!
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Tolle 10 Songs:
- Another Man’s Woman – 🔥 unbedingt live hören
- Doraville – Southern-Groove pur
- Angel (What in the World’s Come Over Us) – wunderschön und live sehr wirkungsvoll
- Back Up Against the Wall – deutlich rauer als viele ihrer Hits
- Spooky – perfekter Groove
- Champagne Jam – Instrumental und herrlich locker
- So Into You – der große Hit, live aber wesentlich kräftiger
- Imaginary Lover – Hammond glänzt hier
- Alien – zeigt die experimentellere Seite
- Large Time – richtig guter Abschluss
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Kassischen Besetzung Atlanta Rhythm Section von etwa 1972 bis 1979:
- Ronnie Hammond – Gesang
- Barry Bailey – Leadgitarre
- J.R. Cobb – Rhythmusgitarre, Backgroundgesang
- Dean Daughtry – Keyboards
- Paul Goddard – Bass
- Robert Nix – Schlagzeug
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Studioalben: Atlanta Rhythm Section veröffentlichte 12 Alben zwischen 1972 und 1989/2023.
Die Alben sind:
- Atlanta Rhythm Section (1972)
- Third Annal Pipe Dream (1974)
- Dog Days (1975)
- Red Tape (1976)
- A Rock and Roll Alternative (1976)
- Champagne Jam (1978)
- Underdog (1979)
- Quinella (1981)
- Longing for a Lick (1989)
- Truth in a Structured Form (1989)
- Partly Cloudy (1988)
- Time Machine 2023 (unveröffentlichte Tracks)
Live Album: Are You Ready (1979)
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Southern Rock ist eine grossartige Musikrichtung! Die Hochkonjuktur war in den 70er bis in die 80iger hinein. Heute hat die Wachablösung schon statt gefunden. Junge hungrige Bands tragen diesen Musikstil weiter. Aber so lange von vielen Classic Rock Radios in den Staaten Songs wie Freebird oder Jessica weiterhin unsere Autoradios beschallen, nehmen wir all die Herausforderungen dieser „verrückten“ Welt an. Es lebe der Southern Rock!
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